Logisch: Wer uns sympathisch ist, kriegt von uns leichter ein ja zu hören, wenn er/sie etwas von uns will. Nur: Weshalb sind uns einige Personen mehr sympathisch und andere weniger?
Oder anders gefragt: Was muss man tun, um sympathisch zu wirken und andere dadurch zu einer bestimmten Handlung zu bewegen?
Lies weiter und erfahre, wodurch Sympathie ausgelöst wird, wie sie sich auf dein Verhalten auswirken kann und wie du zu ihr nein sagen kannst.
Schönheit
Corinne betritt die Mensa - alle schauen sie an. Corinne sieht ungeheuer gut aus. Wer, wie sie, von der Natur gesegnet wurde, hat es wahrscheinlich leichter im Leben.
Schönheit kann dazu führen, dass wir jemanden eher sympathisch finden und uns leichter von dieser Person dazu bringen lassen, etwas zu tun. Das ist bekannt und Experimente bestätigen, dass gut aussehenden Menschen z.B. öfters geholfen wird.
Gutes Aussehen ist ein klassisches Beispiel dafür, wie eine einzelne Eigenschaft viele andere beeinflussen kann. Die Leute sehen, dass Corinne schön ist und bringen deshalb positive Eigenschaften mit ihr in Verbindung. Sie nehmen an, dass, weil sie schön ist, sie auch freundlich, ehrlich, intelligent usw. ist.
Gutaussehende Menschen schaffen es also leichter, die Meinung und das Verhalten anderer zu beeinflussen.
Ähnlichkeit
Während Serge aufs Tram wartet, wird er von einem Mann in seinem Alter um 'ein bisschen Kleingeld' gebeten. Der bettelnde Mann trägt eine Jacke in der gleicher Farbe und ähnlichem Stil wie Serge sie trägt. Serge gibt dem Mann ein paar Franken.
Ein Experiment mit Studenten hat gezeigt, dass zwei Drittel von ihnen jemandem Geld geben, wenn der eigene Kleidungsstil dem des Bettlers ähnlich ist. Das bedeutet: Wenn uns jemand ähnlich ist – sei es durch sein/ihr Aussehen, Meinung, Herkunft, Lebensweise usw. – kann uns die Sympathie für die Person zum Ja sagen verleiten – auch wenn wir das gar nicht wollen.
Vielleicht kann es sogar passieren, dass dich jemand nachahmt, um dich leichter zu überreden. Diese Strategie wird häufig gebraucht, wenn dir jemand etwas verkaufen will: Z.B. sucht der Verkäufer/die Verkäuferin nach Ähnlichkeiten mit dir (gibt vielleicht an die gleiche Hobbys zu haben, die gleiche Schule zu besuchen, die gleiche Meinung zu vertreten usw.) und löst so Vertrautheit und Sympathie aus. So eine Situation kann es schwer machen, ein Angebot abzulehnen.
Komplimente
Wer erhält nicht gerne Komplimente? Wenn uns jemand bewundert oder schätzt, ist ihm/ihr unsere Sympathie fast immer sicher.
Wer andere lobt – egal, ob es ehrlich gemeint ist oder nicht - kann grosse Sympathie ernten. Auch, wenn das Lob lediglich ausgesprochen wird, um damit bei der anderen Person etwas zu erreichen.
Komplimente verfehlen ihre Wirkung selten, z.B. sagt Mary zu ihrer Schwester Susanne: Du kannst so gut schreiben, du bist darin die Beste von allen in der Familie, warum schreibst du nicht die Geburtstagskarte für die Tante?
Was denkst du? Würdest du an Susannes Stelle die Geburtstagskarte schreiben?
Assoziationen
Julian ist ein Mathe-Genie. Schon wieder hat er eine super Note erreicht in der Prüfung! Er kann es kaum erwarten, seinem Vater davon zu erzählen. Sein Vater wird Freude an und Sympathie für Julian haben und wahrscheinlich bereit sein, ihm einen Wunsch zu erfüllen. Von der mittelmässigen Note in der Französischprüfung hingegen, erzählt Julian dem Vater erst, als dieser danach fragt. Dann wird Julian keinen Wunsch anbringen, weil er weiss, dass es dafür keinen Grund gibt und der Vater den Wunsch sehr wahrscheinlich ablehnen würde.
Julians Verhalten ist absolut logisch. Wir alle versuchen, uns von Negativem fernzuhalten und wollen lieber, dass Positives mit unserer Person in Verbindung gebracht wird. Dabei handelt es sich um sog. positive Assoziationen und diese werden manchmal auch benutzt, um andere zu manipulieren. Genau wie bei Julian: Er nutzt die gute Note, um seinen Vater dazu zu bewegen, ihm einen Wunsch zu erfüllen.
Ein weiteres Beispiel: Wenn eine Fussball-Mannschaft ein Turnier gewinnt, hat sie sehr schnell mehr Fans als wenn sie verliert. Obwohl es die gleiche Mannschaft mit den gleichen Spielern ist wie vor dem Tournier. Diesen Mechanismus benutzen auch die Sponsoren. Sie wollen ihre Marke mit einem erfolgreichen Team in Verbindung bringen. Das positive Ansehen der Mannschaft überträgt sich auf das Produkt und die Menschen sind eher bereit, es zu kaufen.
Nein sagen: Tipps gegen die Sympathiefalle
Wie wir gesehen haben, gibt es verschiedene Faktoren, die in uns Sympathie wecken. Viele sind uns gar nicht bewusst. Konzentriere dich auf deine Sympathien für andere Personen. Überlege dir: Wer ist dir sehr sympathisch? Worin liegt diese Sympathie begründet? Kann es sein, dass jemand deine Sympathie ausnützt, um von dir etwas zu kriegen? Das kann auch ohne negative Hintergedanken passieren.
Ein Tipp, um nicht gleich in die Sympathiefalle zu tappen: Sollte dich eine dir auf Anhieb sympathische Person, die du noch nicht lange oder gut kennst, um etwas bitten, dann nimm dir etwas Bedenkzeit, bevor du der Person den Gefallen tust. Tue ihr den Gefallen nur dann, wenn du es auch wirklich willst und nicht nur, weil sie oder er dir sympathisch ist.
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